Inhalt
ToggleKrupp in Essen – Wie ein Unternehmen eine ganze Stadt veränderte
Wer heute durch Essen fährt, begegnet der Geschichte von Krupp an vielen Stellen. Manchmal ist sie unmittelbar sichtbar, etwa an der Villa Hügel oder am ehemaligen Krupp-Gelände. An anderen Orten ist sie weniger offensichtlich. Straßenzüge, Wohnsiedlungen, Industrieflächen und ganze Stadtteile erzählen noch immer von einer Zeit, in der die Entwicklung Essens eng mit einem einzigen Unternehmen verbunden war.
Über fast zwei Jahrhunderte gehörten die Namen Essen und Krupp beinahe untrennbar zusammen. Aus einer kleinen Gussstahlfabrik entstand im 19. Jahrhundert ein weltweit bekanntes Industrieunternehmen. Krupp produzierte Stahl, Eisenbahnräder, Maschinen, Schiffe und Waffen. Das Unternehmen beschäftigte zeitweise zehntausende Menschen und beeinflusste damit nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das soziale Leben und das Aussehen der Stadt.
Die Geschichte von Krupp ist zugleich eine Geschichte des technischen Fortschritts, unternehmerischen Risikos, sozialer Fürsorge und wirtschaftlicher Macht. Sie ist aber auch eine Geschichte von Krieg, Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit und der schwierigen Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.
Die Anfänge im Jahr 1811
Die Geschichte des Unternehmens beginnt am 20. November 1811. An diesem Tag gründete Friedrich Krupp gemeinsam mit den Brüdern von Kechel in Essen eine Fabrik zur Herstellung von Gussstahl.
Das Vorhaben war ausgesprochen anspruchsvoll. Gussstahl beziehungsweise Tiegelstahl galt zu jener Zeit als hochwertiger Werkstoff, dessen Herstellung besondere technische Kenntnisse erforderte. Vor allem England war auf diesem Gebiet führend. Friedrich Krupp wollte ein Verfahren entwickeln, mit dem ein vergleichbar hochwertiger Stahl auch in Essen produziert werden konnte.
Die ersten Jahre verliefen allerdings alles andere als erfolgreich.
Nach der Trennung von seinen Geschäftspartnern führte Friedrich Krupp das Unternehmen ab 1816 allein weiter. Die Fabrik produzierte unter anderem Werkzeuge, Münzstempel und Walzen. Doch die Einnahmen reichten zunächst nicht aus, um die hohen Investitionen zu decken.
Krupp setzte trotzdem weiter auf die technische Entwicklung. Eine größere Produktionshalle entstand, Maschinen und Anlagen wurden angeschafft und immer wieder wurde versucht, die Qualität des Gussstahls zu verbessern.
Die finanziellen Belastungen waren schließlich so groß, dass Friedrich Krupp sein Vermögen weitgehend aufgebraucht hatte. Als er 1826 starb, hinterließ er ein wirtschaftlich angeschlagenes Unternehmen und erhebliche Schulden.
Sein ältester Sohn Alfred war zu diesem Zeitpunkt erst 14 Jahre alt.
Alfred Krupp übernimmt die Verantwortung
Der spätere Aufstieg des Unternehmens ist untrennbar mit Alfred Krupp verbunden.
Nach dem Tod seines Vaters musste Alfred gemeinsam mit seiner Mutter Therese dafür sorgen, dass der Betrieb nicht endgültig unterging. Alfred erhielt schon als Jugendlicher Einblicke in die Produktion und arbeitete sich Schritt für Schritt in die technischen und kaufmännischen Abläufe ein.
Die Ausgangslage war schwierig. Die Fabrik war klein, verschuldet und wirtschaftlich keineswegs abgesichert.
Alfred Krupp entwickelte jedoch eine klare Vorstellung davon, wie das Unternehmen langfristig erfolgreich werden konnte: Es sollte nicht bei der Herstellung von einfachem Stahl bleiben, sondern technisch anspruchsvolle Produkte herstellen, die auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig waren.
Dieser Ansatz sollte sich auszahlen.
Einen entscheidenden Durchbruch brachte die Entwicklung nahtlos gefertigter Eisenbahnradreifen. Mit dem schnellen Ausbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert entstand ein riesiger neuer Markt. Eisenbahnräder mussten hohen Belastungen standhalten und möglichst bruchsicher sein.
Die Kruppschen Radreifen wurden zu einem international bekannten Produkt. Das berühmte Firmenzeichen mit den drei ineinanderliegenden Ringen geht auf diese Verbindung zur Eisenbahn zurück.
Damit hatte Krupp einen Markt gefunden, der das Unternehmen weit über Essen hinaus bekannt machte.
Essen wird zur Industriestadt
Der Erfolg Krupps fiel in eine Zeit, in der sich das Ruhrgebiet grundlegend veränderte.
Kohlebergbau, Eisenbahn und Stahlindustrie entwickelten sich mit hoher Geschwindigkeit. Essen war zunächst keine Großstadt im heutigen Sinne. Doch die zunehmende Industrialisierung zog immer mehr Menschen in die Region.
Krupp spielte dabei eine besondere Rolle.
Neue Produktionsanlagen benötigten immer mehr Arbeitskräfte. Arbeiter kamen nach Essen, um Beschäftigung zu finden. Gleichzeitig mussten Wohnungen, Verkehrswege und soziale Einrichtungen geschaffen werden.
So entstand rund um die Fabrik eine eigene industrielle Welt.
Das Krupp-Gelände wurde immer größer. Produktionshallen, Werkstätten, Lagerflächen und Verkehrswege prägten den Westen der Stadt. Die Ausdehnung der Fabrik erreichte schließlich Dimensionen, die mit der historischen Innenstadt kaum noch vergleichbar waren.
Die Stadtentwicklung und die Unternehmensentwicklung beeinflussten sich gegenseitig.
Essen benötigte Arbeitskräfte, Infrastruktur und Wohnraum. Krupp benötigte eine wachsende Stadt mit genügend Beschäftigten und einer leistungsfähigen Verkehrsanbindung.
Stahl als Schlüssel zum Erfolg
Alfred Krupp setzte konsequent auf technische Innovation.
Neue Verfahren ermöglichten die Produktion immer größerer Stahlmengen und immer komplexerer Bauteile. Auf internationalen Ausstellungen präsentierte Krupp seine Produkte und demonstrierte damit, dass deutsche Unternehmen technisch mit den führenden Industrieländern konkurrieren konnten.
Besonders spektakulär waren riesige Stahlblöcke, Wellen und andere Schmiedestücke.
Auch der Maschinenbau gewann an Bedeutung. Ein bekanntes Beispiel war der gewaltige Dampfhammer „Fritz“, der 1861 in Essen in Betrieb genommen wurde. Mit seiner Hilfe konnten enorme Stahlstücke bearbeitet werden.
Solche Anlagen waren nicht nur Produktionsmittel. Sie waren zugleich Demonstrationen industrieller Leistungsfähigkeit.
Krupp wollte zeigen, dass das Unternehmen in der Lage war, Dinge herzustellen, die andere Betriebe nicht oder nur mit erheblich größerem Aufwand produzieren konnten.
Krupp und die Rüstungsindustrie
Neben der zivilen Produktion entwickelte sich ein zweiter Bereich zu einem wichtigen Bestandteil des Unternehmens: die Herstellung von Waffen.
Krupp produzierte Geschütze und andere militärische Erzeugnisse. Besonders im Deutschen Kaiserreich gewann dieser Geschäftsbereich an Bedeutung.
Damit wurde Krupp zunehmend zu einem Unternehmen, das sowohl vom industriellen Fortschritt als auch von den politischen und militärischen Entwicklungen Europas profitierte.
Die Verbindung zwischen Stahlindustrie und Rüstungsproduktion war im 19. und frühen 20. Jahrhundert eng. Große Stahlwerke konnten schwere Geschütze, Panzerplatten, Schiffsteile und andere militärische Produkte herstellen.
Für Krupp bedeutete dies große Aufträge und internationales Ansehen, gleichzeitig aber auch eine zunehmende Abhängigkeit von militärischen Märkten.
Der Krupp-Konzern wächst
Mit dem weiteren Wachstum beschränkte sich Krupp längst nicht mehr auf die reine Stahlproduktion.
Das Unternehmen erweiterte seine Aktivitäten, beteiligte sich an Rohstoffversorgung und Bergbau und baute zusätzliche industrielle Geschäftsfelder auf. Dadurch entstand ein weitgehend integrierter Konzern.
Diese Unternehmensstruktur hatte einen großen Vorteil: Krupp konnte viele Produktionsschritte selbst kontrollieren.
Aus Rohstoffen wurden Stahlprodukte, aus Stahl entstanden Maschinen, Bauteile, Eisenbahnprodukte und Rüstungsgüter.
Je größer der Konzern wurde, desto größer wurde auch sein Einfluss auf Essen.
Krupp war nicht mehr nur ein Unternehmen innerhalb der Stadt. Es wurde zu einem wesentlichen Bestandteil der Stadt selbst.
Die soziale Welt von Krupp
Eine Besonderheit des Unternehmens war seine umfangreiche Sozialpolitik.
Krupp errichtete Wohnungen für Beschäftigte, unterstützte medizinische Einrichtungen und schuf weitere soziale Angebote. Das Unternehmen kümmerte sich damit um Bereiche, die heute teilweise selbstverständlich zum staatlichen oder kommunalen Aufgabenbereich gehören.
Ein bekanntes Beispiel aus späterer Zeit ist die Margarethenhöhe.
Die 1906 von Margarethe Krupp gestiftete Siedlung wurde nach Plänen des Architekten Georg Metzendorf errichtet. Sie sollte modernen und zugleich attraktiven Wohnraum schaffen.
Auch andere Krupp-Siedlungen entstanden in Essen.
Diese Politik hatte einen deutlichen praktischen Nutzen. Arbeiter benötigten bezahlbaren Wohnraum in erreichbarer Nähe zu ihrem Arbeitsplatz. Gleichzeitig stärkte das Unternehmen dadurch die Bindung seiner Beschäftigten an Krupp.
Das Krupp-System hatte deshalb zwei Seiten: Es bot soziale Leistungen, bedeutete aber zugleich eine erhebliche Einflussnahme des Unternehmens auf das Leben der Beschäftigten.
Die Villa Hügel
Kaum ein Gebäude symbolisiert den Aufstieg der Familie Krupp so stark wie die Villa Hügel.
Der riesige Wohnsitz wurde im 19. Jahrhundert oberhalb des Baldeneysees errichtet. Die Dimensionen waren außergewöhnlich und spiegelten die Stellung der Familie wider.
Die Villa war Wohnhaus, Repräsentationsort und Treffpunkt für bedeutende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Während die Arbeiter in den Fabriken Stahl produzierten, lebte die Unternehmerfamilie in einer Umgebung, die den enormen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sichtbar machte.
Die Villa Hügel steht deshalb bis heute für die außergewöhnliche Macht und Bedeutung der Familie Krupp.
Gleichzeitig ist sie heute ein Ort der historischen Erinnerung und kultureller Veranstaltungen.
Krupp und das Deutsche Kaiserreich
Im Deutschen Kaiserreich gehörte Krupp zu den bedeutendsten deutschen Industrieunternehmen.
Die Verbindung zum Staat war eng. Kaiser Wilhelm II. besuchte das Unternehmen, Politiker und Militärs interessierten sich für die technische Leistungsfähigkeit der Kruppschen Werke.
Essen entwickelte sich in dieser Zeit immer stärker zur Metropole des Ruhrgebiets.
Der wirtschaftliche Aufstieg führte zu einem enormen Bevölkerungswachstum. Immer mehr Menschen kamen in die Stadt, weil sie in der Industrie Arbeit fanden.
Die industrielle Entwicklung veränderte dadurch nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die gesamte Gesellschaft.
Essen wurde von einer vergleichsweise kleinen Stadt zu einem bedeutenden Industriezentrum.
Krupp im Ersten Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg ab 1914 verstärkte die Bedeutung der Rüstungsproduktion.
Krupp gehörte zu den Unternehmen, die große Mengen militärischer Produkte herstellten. Die Nachfrage nach Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung stieg stark.
Der Krieg bedeutete für die deutsche Schwerindustrie gleichzeitig eine enorme Belastung und eine hohe wirtschaftliche Bedeutung.
Nach dem Ende des Krieges 1918 änderte sich die Situation grundlegend.
Die militärische Produktion wurde eingeschränkt, Deutschland musste die wirtschaftlichen Folgen des verlorenen Krieges bewältigen und Krupp musste sich erneut an veränderte Marktbedingungen anpassen.
Die Jahre zwischen den Weltkriegen
Die Zwischenkriegszeit war für Krupp von erheblichen wirtschaftlichen und politischen Veränderungen geprägt.
Deutschland litt unter den Folgen des Ersten Weltkriegs, später kamen Inflation und schließlich die Weltwirtschaftskrise hinzu.
Für ein Unternehmen mit einer starken Ausrichtung auf Schwerindustrie und Rüstung waren diese Entwicklungen besonders problematisch.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erneut.
Die Aufrüstung Deutschlands führte zu einer enormen Steigerung der Nachfrage nach Stahl, Maschinen und militärischen Produkten.
Krupp wurde damit wieder zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Rüstungsindustrie.
Krupp im Zweiten Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs erreichte die militärische Bedeutung des Unternehmens einen neuen Höhepunkt.
Die Krupp-Werke produzierten für die deutsche Kriegswirtschaft. Gleichzeitig wurden zunehmend Arbeitskräfte benötigt, weil Millionen deutsche Männer als Soldaten eingezogen worden waren.
Wie zahlreiche andere deutsche Industrieunternehmen setzte auch Krupp während des Krieges Zwangsarbeiter ein.
Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten wurden nach Deutschland verschleppt und mussten unter teilweise äußerst schlechten Bedingungen arbeiten.
Dieses Kapitel gehört zu den schwerwiegendsten Aspekten der Kruppschen Unternehmensgeschichte.
Es zeigt, dass die Geschichte des Unternehmens nicht allein aus technischen Erfolgen und wirtschaftlichem Wachstum besteht. Die Rolle Krupps während des Nationalsozialismus und insbesondere der Einsatz von Zwangsarbeitern sind Bestandteil einer historischen Verantwortung, mit der sich das Unternehmen und die spätere Stiftung auseinandersetzen mussten.
Zerstörung und Neubeginn
Die alliierten Luftangriffe trafen Essen besonders schwer.
Die Krupp-Werke waren aufgrund ihrer Bedeutung für die deutsche Rüstungsindustrie ein wichtiges Ziel. Große Teile des riesigen Werksgeländes wurden zerstört oder schwer beschädigt.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die industrielle Welt, die Krupp über Jahrzehnte aufgebaut hatte, weitgehend zusammengebrochen.
Hinzu kamen Demontagen und die politischen Entscheidungen der Alliierten.
Die Stadt Essen stand ebenso wie Krupp vor einem gewaltigen Neuanfang.
Die Nachkriegsjahre bedeuteten deshalb für das Unternehmen nicht einfach eine Rückkehr zum früheren Zustand. Die gesamte Unternehmensstruktur musste neu aufgebaut werden.
Alfried Krupp und der Wiederaufbau
Nach dem Krieg wurde Alfried Krupp von Bohlen und Halbach zu einer zentralen Figur der weiteren Unternehmensgeschichte.
Er war zunächst als Kriegsverbrecher angeklagt und im Krupp-Prozess verurteilt worden. Später wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen.
In den 1950er Jahren begann der Wiederaufbau des Unternehmens.
Dabei spielte auch Berthold Beitz eine wichtige Rolle. Gemeinsam wurde versucht, Krupp wieder zu einem modernen und international wettbewerbsfähigen Industrieunternehmen zu entwickeln.
Der wirtschaftliche Erfolg der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren erleichterte diesen Neubeginn.
Krupp konnte wieder investieren, produzieren und international tätig werden.
Das Ende des Familienunternehmens
Eine der bedeutendsten Entscheidungen der Kruppschen Geschichte fiel 1967.
Alfried Krupp entschied, sein Vermögen nach seinem Tod in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen.
Damit sollte verhindert werden, dass das Unternehmen nach seinem Tod unter mehreren Erben aufgeteilt wurde.
Nach seinem Tod wurde die Stiftung 1968 wirksam.
Damit endete die jahrhundertealte Tradition eines persönlich von der Familie kontrollierten Unternehmens.
Aus dem Familienunternehmen wurde ein Unternehmen in Stiftungseigentum.
Die daraus entstandene Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist bis heute mit der Geschichte des Unternehmens und der Stadt Essen verbunden.
Von Krupp zu ThyssenKrupp
Die deutsche Stahlindustrie veränderte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts grundlegend.
Internationaler Wettbewerb, steigende Produktionskosten und Überkapazitäten setzten die traditionellen Stahlkonzerne unter Druck.
Krupp suchte deshalb nach neuen Strukturen und Kooperationen.
1992 kam es zur Verbindung mit Hoesch. Dadurch entstand ein größerer Unternehmensverbund.
Schließlich rückte auch der Konkurrent Thyssen immer stärker in den Mittelpunkt.
Nach mehreren Jahrzehnten industrieller Konkurrenz wurde ausgerechnet eine Fusion zum Weg in die Zukunft.
1999 wurde die ThyssenKrupp AG ins Handelsregister eingetragen.
Damit endete die eigenständige Geschichte von Krupp als großer deutscher Industriekonzern.
Der Name blieb jedoch erhalten.
Was von Krupp in Essen geblieben ist
Wer heute durch Essen geht, sieht auf den ersten Blick nicht mehr die riesige Krupp-Fabrik, die sich einst über einen gewaltigen Teil des Stadtgebiets erstreckte.
Viele Werkshallen sind verschwunden.
An ihre Stelle traten neue Straßen, Bürogebäude, Grünflächen und moderne Stadtquartiere.
Dennoch sind die Spuren Krupps zahlreich.
Die Villa Hügel ist das bekannteste Beispiel. Auch die Margarethenhöhe und andere historische Werkssiedlungen erinnern an die Zeit, in der Krupp das Leben seiner Beschäftigten stark beeinflusste.
Besonders bedeutend ist außerdem das Historische Archiv Krupp.
Es bewahrt Dokumente aus der Unternehmens- und Familiengeschichte und ermöglicht damit die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Unternehmens.
Auch das heutige Thyssenkrupp-Quartier steht auf historischem Krupp-Boden.
Damit ist die Vergangenheit nicht verschwunden. Sie hat lediglich eine andere Form angenommen.
Krupp und die Identität Essens
Kaum ein anderes Unternehmen hat Essen über einen so langen Zeitraum geprägt.
Die industrielle Entwicklung der Stadt wäre ohne Krupp anders verlaufen. Die enorme Nachfrage nach Arbeitskräften beeinflusste das Bevölkerungswachstum. Der Bau von Werkssiedlungen veränderte Stadtteile. Straßen, Bahnverbindungen und Infrastruktur wurden durch die industrielle Entwicklung geprägt.
Krupp war zugleich Arbeitgeber, Bauherr, Sozialpartner und international tätiger Industriekonzern.
Diese ungewöhnliche Konzentration wirtschaftlicher Macht erklärt, warum der Name Krupp bis heute einen so starken Klang in Essen besitzt.
Doch gerade deshalb sollte man die Geschichte nicht romantisieren.
Der wirtschaftliche Aufstieg hatte seinen Preis. Die Arbeit in der Schwerindustrie war körperlich belastend. Das Unternehmen besaß eine enorme Macht über seine Beschäftigten. Die Rüstungsproduktion machte Krupp zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Militärwirtschaft. Und die Verbrechen während des Nationalsozialismus gehören untrennbar zur Geschichte des Unternehmens.
Eine moderne Betrachtung der Krupp-Geschichte muss deshalb beides berücksichtigen: den außergewöhnlichen industriellen und technischen Aufstieg ebenso wie die problematischen und dunklen Seiten dieser Entwicklung.
Krupp als Teil der Essener Geschichte
Die Geschichte Krupps ist heute keine abgeschlossene Unternehmensgeschichte.
Sie ist ein Teil der Geschichte der Stadt Essen.
Wer verstehen möchte, warum Essen zu einer der wichtigsten Städte des Ruhrgebiets wurde, kommt an Krupp kaum vorbei. Die Entwicklung der Fabrik, das Wachstum der Belegschaft, die Entstehung von Wohnsiedlungen, der Ausbau der Infrastruktur und die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt sind eng miteinander verbunden.
Aus der kleinen Gussstahlfabrik von 1811 entstand innerhalb weniger Generationen ein internationaler Industriekonzern.
Das Unternehmen überstand wirtschaftliche Krisen, politische Umbrüche und zwei Weltkriege. Es wurde nach 1945 neu aufgebaut, in den 1960er Jahren in eine Stiftungslösung überführt und ging schließlich 1999 im Zusammenschluss mit Thyssen auf.
Der Name Krupp verschwand damit als eigenständiger Konzernname, aber nicht aus dem Gedächtnis der Stadt.
Noch heute prägen die baulichen und kulturellen Zeugnisse diese Erinnerung.
Die Villa Hügel, die historischen Arbeitersiedlungen, das Archiv und die ehemaligen Industrieflächen erzählen jeweils einen anderen Teil derselben Geschichte.
Fazit
Krupp und Essen sind zwei Geschichten, die sich über fast zwei Jahrhunderte gegenseitig beeinflusst haben.
1811 begann Friedrich Krupp mit einer kleinen Gussstahlfabrik. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Anfangsjahre schienen zunächst eher auf ein Scheitern als auf einen industriellen Welterfolg hinzudeuten.
Erst Alfred Krupp gelang der entscheidende Durchbruch. Mit technischen Innovationen, der Herstellung hochwertiger Stahlprodukte und der erfolgreichen Vermarktung von Eisenbahnradreifen machte er aus dem kleinen Familienbetrieb ein international bekanntes Unternehmen.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs Krupp gemeinsam mit Essen. Die Fabrik wurde riesig, die Belegschaft wuchs und die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Schwerindustrie.
Krupp schuf Arbeitsplätze, Wohnungen und soziale Einrichtungen, wurde aber gleichzeitig zu einem Unternehmen von außergewöhnlicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Macht.
Die Verbindung zur Rüstungsindustrie brachte dem Unternehmen internationalen Einfluss, führte aber auch zu einer problematischen Nähe zu militärischen und politischen Interessen.
Die beiden Weltkriege, die nationalsozialistische Herrschaft und insbesondere der Einsatz von Zwangsarbeitern bilden die dunkelsten Kapitel der Geschichte.
Nach 1945 begann ein schwieriger Neubeginn. Die alte Krupp-Welt wurde schrittweise umgebaut. Mit der Stiftungslösung von 1968 endete schließlich die Ära des klassischen Familienunternehmens.
1999 ging Krupp in ThyssenKrupp auf.
Damit endete zwar die eigenständige Unternehmensgeschichte, nicht aber die Bedeutung Krupps für Essen.
Wer heute in Essen lebt oder die Stadt besucht, bewegt sich weiterhin durch eine Stadt, deren Entwicklung ohne Krupp kaum vorstellbar ist. Die Geschichte des Unternehmens ist deshalb nicht nur eine Geschichte von Stahl und Industrie. Sie erzählt vom Wandel einer Stadt, von Arbeit und Wohlstand, von Macht und Verantwortung und von den tiefgreifenden Veränderungen, die die Industrialisierung über zwei Jahrhunderte hinweg mit sich gebracht hat.
Krupp hat Essen verändert.
Und Essen hat zugleich die Geschichte von Krupp mitgeschrieben.

