Burgplatz 1900

Burgplatz

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Burgplatz Essen – Die historische Keimzelle der Stadt

Der Burgplatz zählt zu den bedeutendsten historischen Orten der Essener Innenstadt. Er liegt im Herzen der Stadt und markiert jenen Bereich, an dem die Entwicklung Essens ihren Ursprung nahm. Aufgrund seiner herausragenden archäologischen Bedeutung ist das Areal als Bodendenkmal geschützt.

Heute bildet der Burgplatz einen wichtigen Verbindungspunkt zwischen der Kettwiger Straße, dem Essener Dom, der Lichtburg und weiteren historischen Gebäuden. Kaum ein anderer Ort in Essen vereint die mittelalterlichen Ursprünge der Stadt so unmittelbar mit ihrer Entwicklung zur modernen Großstadt.

Die Anfänge: Vom frühmittelalterlichen Hof zum Stiftsbezirk

Die Geschichte des Burgplatzes reicht bis in das Frühmittelalter zurück. Auf dem heutigen Platz befand sich einst eine befestigte Hofanlage, die als Astnidhi bezeichnet wurde. Aus diesem Namen entwickelte sich später die Bezeichnung des Stifts und schließlich der Stadt Essen.

Um die Mitte des 9. Jahrhunderts gründete der sächsische Adelige und spätere Bischof von Hildesheim, Altfrid, an dieser Stelle das Frauenstift Essen. Der Bereich rund um den heutigen Burgplatz bildete damit das geistliche und politische Zentrum der frühen Stadtentwicklung.

Archäologische Untersuchungen im 20. Jahrhundert bestätigten die besondere Bedeutung des Platzes. Bei Ausgrabungen wurden Reste einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage entdeckt, darunter massive Bruchsteinmauern, Gräben und Spuren einer Palisadenbefestigung. Diese Anlagen entstanden vermutlich noch vor der mittelalterlichen Stadtmauer und könnten die Grundlage für die spätere Bezeichnung „Burgplatz“ gebildet haben.

Eine weitere bedeutende Entdeckung machten Archäologen während Untersuchungen in den 1940er Jahren. Dabei kamen mächtige Fundamente eines vermutlich repräsentativen Bauwerks zutage. Die genaue Funktion dieser Anlage ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein steinerner Turmbau aus der Zeit nach dem Jahr 1000.

Mittelalterlicher Friedhof und religiöses Zentrum

Im Mittelalter gehörte der Burgplatz zum unmittelbaren Umfeld der Münsterkirche, dem heutigen Essener Dom. Auf dem Gelände befand sich ein Friedhof, der über Jahrhunderte genutzt wurde. Auch Bürger der Stadt fanden hier ihre letzte Ruhestätte, da die Begräbnisrechte weiterhin bei der Stiftskirche lagen.

Eine besondere Bedeutung hatte die hier errichtete Beinhauskapelle, die von 1522 bis 1817 bestand. Erst im 19. Jahrhundert endete die Nutzung des Areals als Friedhof. Nach der Verlegung der Begräbnisstätte entstand aus der frei gewordenen Fläche eine öffentliche Platzanlage.

Vom Hofgarten zum Mittelpunkt der Innenstadt

Nach der Aufgabe des Friedhofs wurde der Burgplatz neu gestaltet. Ab 1834 entstand hier der sogenannte Hofgarten, eine begrünte Anlage mit Bäumen, die als erste strukturierte Gestaltung des Platzes gilt.

Mit dem rasanten Wachstum Essens im Zeitalter der Industrialisierung entwickelte sich der Burgplatz zunehmend zu einem wichtigen städtischen Mittelpunkt. Rund um den Platz entstanden bedeutende Gebäude für Bildung, Verwaltung und Kultur.

Historische Gebäude rund um den Burgplatz

Der Essener Dom und St. Johann Baptist

Die Nordseite des Burgplatzes wird bis heute vom Ensemble aus Essener Dom und der Kirche St. Johann Baptist Kirche geprägt.

Der Dom geht auf die ehemalige Stiftskirche des Frauenstifts Essen zurück und gehört zu den ältesten erhaltenen Bauwerken der Stadt. Gemeinsam mit dem Domhof bildet er den historischen Kern des ehemaligen Stiftsbezirks.

Nach der Gründung des Bistum Essen erhielt der Bereich um den Burgplatz eine zusätzliche Bedeutung als kirchliches Zentrum.

Die Jesuitenresidenz und das heutige Burggymnasium

An der Südseite des Burgplatzes entstand zwischen 1736 und 1742 die ehemalige Jesuitenresidenz. Das barocke Gebäude galt im 18. Jahrhundert als eines der prächtigsten Häuser der Stadt.

Im 19. Jahrhundert wurde es zu einer höheren Schule umgewandelt. Nach Erweiterungen in den Jahren 1880 bis 1882 entwickelte sich daraus das Königliche Gymnasium, später das Gymnasium am Burgplatz und schließlich das heutige Burggymnasium Essen.

Das historische Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 1950er Jahren durch einen modernen Neubau ersetzt.

Die ehemalige Abtei und Gerichtsgebäude

Am östlichen Bereich des Burgplatzes befand sich einst die Residenz der Essener Fürstäbtissinnen. Das sogenannte Abteigebäude wurde nach einem Brand im 13. Jahrhundert wieder aufgebaut und später vor allem für repräsentative Zwecke genutzt.

Nach dem Ende des Stifts im Jahr 1803 erhielt das Gebäude eine neue Funktion und wurde als Gerichtsgebäude genutzt. Wegen baulicher Schäden wurde es 1883 abgetragen.

Auch an der Stelle des heutigen Bischofshauses befand sich früher ein bedeutendes Gerichtsgebäude, das über Jahrhunderte verschiedene Gerichte beherbergte.

Die Lichtburg – Kino am historischen Standort

An der Südwestseite des Burgplatzes steht heute die berühmte Lichtburg Essen.

Das Kino wurde 1928 eröffnet und entstand an der Stelle eines früheren Verwaltungsgebäudes, das unter anderem als Post- und Museumsstandort genutzt worden war. Die Lichtburg entwickelte sich zu einem kulturellen Wahrzeichen Essens und zählt heute zu den bekanntesten historischen Kinos Deutschlands.

Der Burgplatz im 20. Jahrhundert

Ende des 19. Jahrhunderts erhielt der Burgplatz eine neue städtebauliche Bedeutung. 1898 wurde hier das Kaiser-Wilhelm-Denkmal eingeweiht, ein monumentales Reiterstandbild, das den Mittelpunkt des Platzes bildete.

In den 1920er Jahren wurde der Burgplatz umfassend umgestaltet. Das Gelände wurde angepasst, neu gepflastert und stärker an die moderne Innenstadtentwicklung angepasst. Gleichzeitig entstand mit der Lichtburg ein neues städtebauliches Wahrzeichen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Platz für politische Kundgebungen genutzt und zeitweise in „Adolf-Hitler-Platz“ umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt er seinen historischen Namen zurück und wurde wieder ein Ort öffentlicher Veranstaltungen.

Wiederaufbau und heutige Bedeutung

Die schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs veränderten das Erscheinungsbild des Burgplatzes nachhaltig. Viele historische Gebäude gingen verloren und wurden durch Neubauten ersetzt. In den 1950er Jahren entstanden unter anderem das heutige Burggymnasium und das Bischofshaus.

Eine umfassende Neugestaltung erfolgte in den 1980er Jahren, als der Platz begrünt und als Aufenthaltsbereich aufgewertet wurde. Seit dem Umbau im Jahr 2009 verbindet eine großzügige Treppenanlage den Burgplatz direkt mit der Kettwiger Straße.

Heute stehen am Burgplatz historische Tradition und modernes Stadtleben unmittelbar nebeneinander: Der Essener Dom erinnert an die mittelalterlichen Ursprünge der Stadt, die Lichtburg steht für Kulturgeschichte und das Burggymnasium für die Bildungstradition Essens.

Der Burgplatz ist damit nicht nur ein zentraler Treffpunkt der Innenstadt, sondern auch ein sichtbares Zeugnis der über tausendjährigen Geschichte Essens.

Veröffentlicht in Historische Gebäude.

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