Saalbau Essen – Vom Stadtgartensaal zur Philharmonie Essen
Der Saalbau Essen gehört zu den bedeutendsten Kulturgebäuden der Stadt und ist heute als Philharmonie Essen eines der renommiertesten Konzerthäuser im Ruhrgebiet. Das Gebäude liegt am Rand des Essener Stadtgartens im Südviertel, in unmittelbarer Nähe zum Aalto-Theater. Mit seiner Verbindung aus historischer Architektur, moderner Konzerttechnik und vielfältigen Veranstaltungsräumen ist der Saalbau ein zentraler Ort für Musik, Kultur und gesellschaftliche Veranstaltungen.
Die Anfänge: Der Stadtgartensaal im 19. Jahrhundert
Die Geschichte des Saalbaus reicht bis in das Jahr 1864 zurück. Damals entstand an gleicher Stelle der sogenannte Stadtgartensaal, ein einfaches Veranstaltungsgebäude, das durch privates Engagement Essener Bürger ermöglicht wurde.
Der Bau bestand aus einem Fachwerkgebäude mit großem Festsaal und einem angrenzenden Restaurationsbereich. Er entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Treffpunkt für Konzerte, Feste und gesellschaftliche Veranstaltungen.
Mit dem rasanten Wachstum Essens durch Bergbau und Stahlindustrie stieß der Stadtgartensaal jedoch bald an seine Grenzen. Die Einwohnerzahl der Stadt vervielfachte sich innerhalb weniger Jahrzehnte, während der bestehende Saal weder ausreichend Platz noch moderne Nebenräume bot.
Ein Neubau wurde deshalb dringend erforderlich. Unterstützung kam unter anderem vom Industriellen Friedrich Alfred Krupp, der 100.000 Mark für das Projekt zur Verfügung stellte. Auch zahlreiche Essener Bürger beteiligten sich mit Spenden an der Finanzierung.
Im Jahr 1901 wurde der alte Stadtgartensaal abgebrochen, um Platz für ein repräsentatives neues Konzerthaus zu schaffen.
Der erste Saalbau – ein Konzerthaus der Moderne
Nach einem Architekturwettbewerb wurde der Entwurf der Architekten Skjøld Neckelmann und Carl Nordmann ausgewählt. Die Bauleitung übernahm schließlich Carl Nordmann allein.
Am 9. Juni 1902 erfolgte die Grundsteinlegung. In den Grundstein wurden Erinnerungsstücke an den Vorgängerbau sowie Zeitungen jener Epoche eingemauert – ein Zeichen für die Bedeutung des neuen Hauses für die wachsende Industriestadt Essen.
Die feierliche Eröffnung fand am 24. September 1904 statt. Der berühmte Komponist und Dirigent Richard Strauss leitete das Eröffnungskonzert. Der im Jugendstil beeinflusste Bau galt damals als eines der modernsten Konzerthäuser Deutschlands.
Bedeutende Konzerte und historische Ereignisse
Der Saalbau wurde schnell zu einem wichtigen Zentrum des musikalischen Lebens. Zahlreiche bedeutende Künstler und Komponisten prägten seine Geschichte.
Ein besonderer Höhepunkt war das Jahr 1906, als Gustav Mahler im Rahmen des Tonkünstlerfestes die Uraufführung seiner 6. Sinfonie dirigierte. Auch Max Reger präsentierte hier 1913 erstmals seine Böcklin-Suite.
Neben musikalischen Veranstaltungen fanden im Saalbau auch politische und gesellschaftliche Versammlungen statt. Damit war das Gebäude nicht nur ein Konzertort, sondern auch ein wichtiger öffentlicher Raum der Stadt.
Der große Saal verfügte über eine monumentale Orgel der Firma Furtwängler & Hammer, deren imposantes Gehäuse zehn Meter breit und neun Meter hoch war.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau
Am 26. Juli 1943 wurde der Saalbau bei einem schweren Luftangriff auf Essen nahezu vollständig zerstört. Wie große Teile der Innenstadt lag auch das traditionsreiche Kulturgebäude in Trümmern.
Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. Unter Leitung des Architekten Walter Engelhardt entstand ab 1949 ein moderner Neubau, der erhaltene Teile der historischen Substanz einbezog.
Am 14. November 1950 wurde der große Konzertsaal wieder eröffnet. Das Gebäude erhielt ein neues Erscheinungsbild im Stil der 1950er Jahre, wobei insbesondere das markante kupferverkleidete Mansarddach erhalten blieb.
Der neue Saal bot rund 1.700 Sitzplätze und erhielt 1951 eine große Orgel der Firma Orgelbau Klais mit über 6.000 Pfeifen.
Die Philharmonie Essen – neues Kapitel ab 2004
Zwischen 2002 und 2004 wurde der Saalbau umfassend modernisiert und zur heutigen Philharmonie Essen umgebaut. Die Sanierung kostete rund 75 Millionen Euro und wurde maßgeblich durch Unterstützung aus Wirtschaft und Stiftungen ermöglicht.
Ziel der Modernisierung war es, die historische Atmosphäre mit moderner Konzerttechnik zu verbinden. Die Sichtachsen innerhalb des Gebäudes wurden geöffnet, historische Bereiche restauriert und neue Veranstaltungsflächen geschaffen.
Am 4. Juni 2004 wurde die Philharmonie Essen feierlich wiedereröffnet.
Der Alfried-Krupp-Saal – Herzstück der Philharmonie
Der größte Veranstaltungsraum ist der nach der Unternehmerfamilie Krupp benannte Alfried-Krupp-Saal. Er gilt heute als einer der besten Konzertsäle Deutschlands und überzeugt besonders durch seine außergewöhnliche Akustik.
Der Saal bietet Platz für knapp 1.900 Besucher und besitzt eine variable Bühne, die an unterschiedliche Orchestergrößen angepasst werden kann. Ein bewegliches Klangsegel über der Bühne verbessert die akustischen Bedingungen für verschiedene Konzertformen.
Eine besondere Rolle spielen die sichtbaren roten Stahlelemente im Saal. Sie erinnern an die industrielle Tradition Essens und wurden zugleich aus akustischen Gründen bewusst nicht verkleidet.
Seit 2004 befindet sich hier außerdem eine moderne Konzertorgel der Schweizer Firma Orgelbau Kuhn mit mehr als 4.500 Pfeifen.
Weitere Veranstaltungsräume
Neben dem großen Konzertsaal verfügt die Philharmonie Essen über zahlreiche weitere Räume:
- Der RWE-Pavillon ist ein moderner gläserner Veranstaltungsraum für kleinere Konzerte, Tagungen und Empfänge.
- Der historische Festsaal mit Holzvertäfelungen eignet sich für Feiern, Vorträge und gesellschaftliche Veranstaltungen.
- Die sogenannten Bunten Säle bewahren besondere Gestaltungselemente aus den 1950er Jahren, darunter kunstvolle Wandgestaltungen und originale Materialien.
- Weitere Club- und Konferenzräume ergänzen das Angebot des Hauses.
Ein kulturelles Wahrzeichen Essens
Vom einfachen Stadtgartensaal des 19. Jahrhunderts bis zur modernen Philharmonie hat der Saalbau die Entwicklung Essens vom Industriestandort zur Kulturstadt begleitet.
Heute steht die Philharmonie Essen für internationale Konzerterlebnisse, große Orchesterauftritte und ein vielfältiges Kulturprogramm. Gemeinsam mit dem Stadtgarten und dem benachbarten Aalto-Theater bildet sie eines der wichtigsten Kulturzentren der Stadt und ist ein bedeutendes Symbol für den Wandel des Ruhrgebiets.

