Baldeneysee und Ruhrtal in Essen – Natur, Geschichte und Freizeit am Wasser
Der Baldeneysee gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Essen und ist der größte der sechs Ruhrstauseen. Er liegt im grünen Süden der Stadt zwischen den Stadtteilen Werden, Bredeney, Heisingen, Kupferdreh und Fischlaken. Heute ist der See ein beliebtes Naherholungsgebiet, eine bedeutende Sportstätte und zugleich ein wichtiger Bestandteil der Wasserwirtschaft im Ruhrgebiet.
Entstanden ist der Baldeneysee in den 1930er Jahren durch die Aufstauung der Ruhr. Was damals vor allem aus technischen und wasserwirtschaftlichen Gründen geplant wurde, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer der wichtigsten Freizeitlandschaften Essens.
Entstehung des Baldeneysees – von der Wasserwirtschaft zum Naherholungsgebiet
Die ersten Planungen für den Baldeneysee entstanden 1927 durch den damaligen Ruhrverbands-Geschäftsführer Karl Imhoff. Ziel war es, die stark belastete Ruhr durch größere Stauanlagen wieder natürlicher zu reinigen. Durch die Verringerung der Fließgeschwindigkeit sollten sich Schwebstoffe absetzen und biologische Prozesse die Wasserqualität verbessern.
Nachdem bereits Erfahrungen mit den Ruhrstauseen Hengsteysee und Harkortsee gesammelt worden waren, begann zwischen 1931 und 1933 der Bau des Stauwehrs in Essen-Werden.
Der Name Baldeneysee geht auf die ursprüngliche Planung zurück, das Wehr im Bereich von Schloss Baldeney zu errichten. Da dieser Standort technisch und wirtschaftlich ungünstig war, wurde das Wehr weiter flussabwärts bei Werden gebaut. Der See erstreckt sich heute von dort bis zur Kampmannbrücke in Kupferdreh.
Der Bau veränderte das historische Ruhrtal erheblich. Alte Landschaften verschwanden, darunter auch Flächen des Gutes Schürmannhof in Fischlaken. Gleichzeitig entstand eine neue Wasserlandschaft, die das südliche Essen bis heute prägt.
Bauzeit unter schwierigen Bedingungen
Der Bau des Baldeneysees fiel in die Zeit der Weltwirtschaftskrise. Finanzielle Schwierigkeiten führten 1931 zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Arbeiten. Ab 1932 wurden zahlreiche Arbeitslose über den Freiwilligen Arbeitsdienst eingesetzt, um die umfangreichen Erdarbeiten fortzuführen.
Im Frühjahr 1933 wurde das Stauwehr fertiggestellt und die Ruhr erstmals aufgestaut. Ebenfalls 1933 nahm das Wasserkraftwerk seinen Betrieb auf. Bis heute erzeugt es mit zwei Kaplan-Turbinen Strom und ist ein wichtiger Bestandteil der technischen Anlage des Sees.
Parallel begann bereits der Ausbau des Sees als Ausflugsziel. Die spätere Weisse Flotte Baldeney nahm 1933 den Schiffsverkehr auf und machte den neuen See für Besucher zugänglich.
Der Baldeneysee im Zweiten Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der See zeitweise wieder abgelassen. Damit sollte den alliierten Flugzeugen die Orientierung erschwert werden. Auch die Folgen des Krieges hinterließen Spuren: Nach der Zerstörung der Möhnetalsperre 1943 erreichte eine Flutwelle die Ruhr und verursachte Schäden an den Uferbereichen.
Ein bekanntes Opfer des Krieges war das Bootshaus Hügel am Nordufer des Sees. Der Bau war 1899 nach dem Vorbild englischer Ruderclubs errichtet worden und diente der Ruderriege des ETuF Essen. Nach der Zerstörung wurde es 1951 durch einen Neubau ersetzt.
Vom Freibad zum Freizeitgebiet
Eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Baldeneysees spielte das ehemalige Freibad Baldeney am Nordufer. Es wurde 1937 eröffnet und entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem beliebten Ausflugsziel.
Die Anlage verfügte über große Schwimmbecken, einen Sprungturm und direkten Zugang zur Ruhr. In den 1950er Jahren erreichte das Bad seine größte Besucherzahl. Aufgrund steigender Sanierungskosten wurde es 1984 geschlossen.
Heute befindet sich auf dem Gelände der Seaside Beach Baldeney, ein Freizeitareal mit Sandstrand, Sportmöglichkeiten, Gastronomie und Veranstaltungsflächen. Seit 2017 ist dort unter bestimmten Bedingungen auch wieder Baden in der Ruhr möglich.
Technik am Baldeneysee
Das Stauwehr in Werden ist bis heute das technische Herzstück des Sees. Drei große Wehröffnungen regulieren den Wasserstand, während das Wasserkraftwerk jährlich mehrere Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.
Eine besondere moderne Einrichtung ist der Fischlift, der seit 2021 Wanderfischen ermöglicht, die Staustufe zu überwinden. Damit verbindet die Anlage heute technische Nutzung mit ökologischen Anforderungen.
Durch Ablagerungen von Sedimenten verringerte sich im Laufe der Jahrzehnte das Fassungsvermögen des Sees. In den 1980er Jahren wurde deshalb umfangreich ausgebaggert, um die ursprüngliche Funktion wiederherzustellen.
Natur und Sehenswürdigkeiten rund um den See
Der Baldeneysee liegt eingebettet in eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wäldern, Ruhrhängen und historischen Bauwerken. Besonders sehenswert sind:
- die imposante Villa Hügel der Familie Krupp mit Blick auf den See,
- der Aussichtspunkt Korte-Klippe,
- die Ruine Neue Isenburg,
- der historische Förderturm der ehemaligen Zeche Carl Funke,
- das Naturschutzgebiet Heisinger Ruhraue mit zahlreichen Wasservögeln.
Am Südufer verläuft außerdem die Hespertalbahn, die mit historischen Zügen durch das Ruhrtal fährt.
Sport und Freizeit am Baldeneysee
Der See ist heute eines der wichtigsten Sportzentren Essens. Rund 14 Kilometer lange Wege führen um das Gewässer und werden von Spaziergängern, Radfahrern und Läufern genutzt.
Seit 1963 findet hier der Marathon „Rund um den Baldeneysee“ statt. Darüber hinaus ist der See ein bedeutender Standort für Segeln, Rudern und Kanusport. Die Regattastrecke zählt zu den bekanntesten ihrer Art in Deutschland.
Der markante Regattaturm Baldeneysee am Nordufer wurde 1962 errichtet und dient bis heute als Beobachtungs- und Organisationszentrum für Wettbewerbe.
Auch die Weisse Flotte Baldeney verbindet die verschiedenen Uferbereiche. In den Sommermonaten verkehren Schiffe zwischen Werden, Hügel, Heisingen, Kupferdreh und Haus Scheppen.
Ein Stück Ruhrgebiet zwischen Industrie und Natur
Der Baldeneysee steht beispielhaft für den Wandel des Ruhrgebiets: Aus einer durch Bergbau und Industrie geprägten Flusslandschaft entstand ein moderner Erholungsraum. Heute verbindet der See Technikgeschichte, Natur, Sport und Kultur und gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen in Essen und der gesamten Region.

